In Memoriam Reto Parolari(1952-2019)

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Mein Name ist Jerzy Bojanowski. Ich bin Klarinettist der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie Schönebeck, 20 km südlich von Magdeburg (Deutschland, Bundesland Sachsen-Anhalt). Meine Frau Renate berichtet für die Zeitung über die Konzerte des über die Landesgrenzen hinaus beliebten Klangkörpers.

In den Jahren 2005 bis 2013 war Generalmusikdirektor Christian Simonis Chefdirigent dieses Kammerorchesters. Während dieser Zeit dirigierte Reto Parolari regelmäßig die beim Publikum beliebten und stets ausverkauften Faschingskonzerte. Seine Vorstellung bei den Zuschauern im Saal hören meine Frau und ich heute noch: „Guten Abend, wie sie an meinem Dialekt erkennen können, komme ich nicht von hier. Ich komme aus Staßfurt…“ In dem kleinen Ort ganz in der Nähe hatte das Konzert einen Tag zuvor stattgefunden. Damit hatte er die Herzen der Zuhörer bereits erobert. Nicht nur Reto Parolaris subtiler Humor begeisterte Orchester und Publikum. Mit den MusikerInnen sprach er in verschieden Sprachen, als wäre die selbstverständlich; polnisch, russisch, italienisch kam ihm wie eine Muttersprache von den Lippen.

In all diesen Jahren freute sich Reto Parolari über diesen bunten, kostümierten „Haufen“, den man ohne Instrumente kaum als Orchester erkannt hätte. Er arrangierte sich ausgezeichnet mit FBI-Agenten, Nonnen, gigantischen Bienen, überdimensionalen afrikanischen Frauen, ausgebrochenen Häftlingen und unverfälschten Japanern. Reto Parolari kam stets mit mindestens zwei Sakkos, die dann achtlos auf dem Boden oder in der nächstbesten Ecke landeten, bis ich ihm einen Kleiderständer organisierte und auf die Bühne hievte.

Während wir bei einer Generalprobe Auf- und Abgänge besprachen, lautete sein Spruch: „Rein – raus, rein – raus und Zugabe…“

Natürlich haben wir ihm während dieser originellen und witzigen Konzerte nicht alle Gags verraten und probierten auch das eine oder andere Späßchen mit unserem Gastdirigenten. Als ich in einem Gedicht im wahrsten Sinne des Wortes steckenblieb, wollte er mir helfen und durchsuchte seine Partitur nach eventuellen Eselsbrücken, die dort natürlich nicht zu finden waren.

Da er sich nie verkleidete, setzte ihm eine Violinistin eine langhaarige blonde Perücke auf, mit der er dann weiter dirigierte. Am Ende dieses Konzertabends bat er meine Frau, ihn so zu fotografieren, um dieses Bild Prinzessin Stephanie zu zeigen. Ihre Antwort war das gewünschte Autogramm mit der Bemerkung, dass sie ihren Freund auf diesem Foto sehr gut getroffen hätte.

Seine Lieblingszugabe war die Donkey Serenade von Rudolf Friml. Sie wurde nach jedem Faschingskonzert gespielt.

Nachdem Reto Parolari nach einem Konzert meine vergessene Hose gerettet hat, war meine Dankbarkeit verständlicherweise groß.

Was wir bis dahin noch nicht wussten, erfuhren wir während eines „Philharmonischen Phrühstücks“, wo sich Solisten und Gastdirigenten regelmäßig vorstellten und Fragen vom Publikum beantworteten.

Nachdem Reto Parolari die Faschingskonzerte nicht mehr dirigierte, hielten wir weiter Kontakt. Nur zu einem persönlichen Besuch in Winterthur kam es leider nicht mehr.

Was uns außerdem bleibt, sind eine Karte mit seinem Boot, auf der er uns mitteilte, wie glücklich er über diesen Urlaub war und eine ganz persönliche Wertschätzung auf meiner Web-Seite.

So lebt Reto Parolari in unserer Erinnerung.

 

Renate und Jerzy Bojanowski