Jerzy Bojanowski

Presseartikel

05. Dezember 2017

Oberbürgermeister ehrte verdienstvolle Einwohnerinnen und Einwohner

Mit dem traditionellen Empfang für verdienstvolle Einwohnerinnen und Einwohner hat Oberbürgermeister Dr. Lutz Trümper am 5. Dezember 2017 im Alten Rathaus das ehrenamtliche Engagement von 19 Magdeburgern gewürdigt. Gleichzeitig dankte er allen Bürgerinnen und Bürgern, die sich ehrenamtlich engagieren für ihre herausragende Einsatzbereitschaft zum Wohle des Gemeinwesens und unserer Stadt.

 

Volksstimme Schönebeck – 18.07.2016

Schönebeck genießt in diesem Jahr den 20. Operettensommer. Seit 20 Jahren mit dabei: Klarinettist Jerzy Bojanowski.

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Schönebeck l Kein Operettensommer ohne Jerzy Bojanowski? Er lächelt bescheiden. Den Schönebecker Operettensommer, kurz SOS, würde es sicherlich auch ohne ihn geben. Aber er selbst möchte nicht eine Saison missen. Für den 49-jährigen Magdeburger ist die Zeit auf dem Bierer Berg eine Kons-tante im Leben, die von Jahr zu Jahr nicht variabler sein kann. Sprich: Die Veranstaltung steht, der Inhalt ändert sich.

 

Das heißt aber auch, dass seit 20 Jahren der Sommer immer verplant ist. Vier Wochen lang sind die Nachmittagstermine im Kalender geblockt: SOS. Kommt da nicht schon mal Sehnsucht auf nach Urlaub in der klassischen Urlaubszeit? Jerzy Bojanowski schüttelt vehement den Kopf und erklärt: „Für mich ist das schon Urlaubsvorbereitung. Ich weiß ja, gleich nach der letzten Vorstellung haben wir alle vier Wochen Urlaub. Das ist so ein bisschen, wie wenn der Weihnachtsbaum steht. Das ist ein Zeichen, dass das Weihnachtsfest naht und alle freuen sich, dass es bald soweit ist. Es macht unheimlich viel Spaß, beim Operettensommer zu sein. Da rückt der Wunsch nach Urlaub ganz weit weg.“ Doch er freue sich schon auf die Zeit danach, denn dann fährt er mit seiner Frau in die Schweiz.

Die Zutaten stimmen

20 Jahre Schönebecker Operettensommer … Jerzy Bojanowski schwelgt in Erinnerungen. Angefangen 1997 unter der musikalischen Leitung von Stefanos Tsialis als Musikdirektor der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie, dann von 2005 bis 2013 Christian Simonis als Generalmusikdirektor, seit Sommer 2014 hat der Holländer Gerard Oskamp diese Position inne. „Ganz zu Beginn gab es ,nur‘ fünf Vorstellungen. Heute sind es 22 …“, merkt der Klarinettist der Kammerphilharmonie an, der zudem als Musikpädagoge tätig ist. Ob er anfangs daran gedacht habe, dass der SOS so erfolgreich werden würde? „Nein, überhaupt nicht. Ich staune, wie groß der Operettensommer geworden ist. Das stimmt glücklich. Die Idee ist super, die Zutaten stimmen. Das merkt man in jeder der 22 Vorstellungen, wenn die Leute lachen und Spaß haben. Für mich steht fest: ein sensationell gutes Rezept“, so der gebürtige Pole.

Er hat in allen 20 Operettensommern Klarinette gespielt, zwei Mal Saxophon und auch mal Klavier. „Ich war immer da“, sagt er nicht ohne Stolz. „Und – toi, toi, toi – fast nie krank.“ Von den insgesamt 369 SOS-Vorstellungen mit mehr als 250 000 Besuchern (1997 bis 2015 hatte der SOS 244 272 Gäste) hat er nur vier Vorstellungen verpasst: „Zweimal hatte ich frei, um mich auf mein Solo-stück beim Serenadenkonzert vorzubereiten, einmal war ich einen Tag krank, einmal gab es familiäre Gründe“, kann Jerzy Bojanowski seine SOS-Abstinenz an einer Hand abzählen.

Pausengespräche sind ein Ritual

Und das sei gut so, immerhin freue er sich Jahr für Jahr auf die Zeit auf dem Bierer Berg. „Suche die kleinen Dinge, die dem Leben Freude geben“, zitiert er Konfuzius und zählt auf, was diese für ihn beim Operettensommer sind: die netten Gespräche mit den Gästen in den Pausen, das I-A des Esels, das unberechenbare Wetter, die Schönheit des Stücks an und für sich, das Glänzen in den Augen der Besucher, wenn sie begeistert sind, was sie sehen und hören … Und ja, es gibt Fragen, die er bei Gesprächen in den Pausen immer wieder gestellt bekommt: Ist es im Orchestergraben sehr heiß? Nein. Und sehr laut? Es geht. Diese Pausengespräche seien für ihn mittlerweile ein liebgewordenes Ritual. „Das ist wie ein großes Freundestreffen.“ Ebenso ein Ritual: „Meine Frau bäckt seit Jahren für die Generalprobe drei, vier Kuchen.“ Zur Freude aller.

Jerzy Bojanowski hat in den vergangenen Operettensommern schon so einiges erlebt:

• Zwischen 5 (1997) und 27 Vorstellungen (2006).

• Aufführungen bei 17 oder auch bei 35 Grad Celsius.

• Die Absage einer Vorstellung, weil Sturm und Hagel angesagt waren – pünktlich um 16 Uhr lugte dann aber die Sonne hervor.

• Vor dem SOS mit der Aufführung des Stücks „Graf von Luxemburg“ ist ihm seine Klarinette gestohlen worden. „Ich habe jede Vorstellung eine andere ausprobiert, um herauszufinden, welche möglichst nah meiner kommt. Man lebt ja mit seiner Klarinette. Das war eine sehr schwere Zeit“, erinnert er sich.

Seine Lieblingsstücke der bisher gespielten Operetten sind „Wiener Blut“ und „Frau Luna“, nicht ganz so sehr hatte es ihm „Pariser Leben“ angetan, gesteht er ein.

Vorfreude auf nächstes Jahr

Schon jetzt freut sich Jerzy Bojanowski auf die kommenden Operettensommer. Wenn er sich wünschen könnte, was gespielt wird, was wäre das? „Ich würde gern einmal Richtung Musical gehen. Es ist Schönebecker Operettensommer, aber wir spielen ,My Fair Lady‘, da wäre ich gern dabei“, träumt er laut. Aber eigentlich brauche er nicht träumen, räumt er ein, sie haben schon so viel Schönes gespielt. „Wenn ich von Leuten höre ,Ich mag keine Operette‘, dann sage ich immer: ‚Kommen Sie uns besuchen. Operette ist nicht verstaubt und langweilig. Wer einmal da war, kommt immer wieder“, ist er sich sicher.

Ein Geheimtipp ist für ihn die letzte Vorstellung. Da seien Extra-Einlagen vorprogrammiert. „Die sollten Sie nicht verpassen“, sagt Jerzy Bojanowski und muss schmunzeln. Die letzten Vorstellungen der vergangenen Jahre sind in lebhafter Erinnerung geblieben. Und auch für die letzte Vorstellung gibt es ein Ritual: Er trägt eine Krawatte, die seine Frau ihm geschenkt hat. Eine aus Alu-Stoff mit Noten als Muster.